Das Seminar befasst sich mit der filmischen Gestalt von Utopien und Anti-Utopien im Zukunftsfilm der 1950er Jahre. Das Jahrzehnt nach dem Ende des 2. Weltkriegs ist von tiefen Widersprüchen gekennzeichnet: Ein radikaler Fortschrittsoptimismus, der noch keinen Begriff von den »Grenzen des Wachstums« hat und goldene Zukünfte und allgemeinen Wohlstand für alle erhofft, steht in spannungsreichem Verhältnis zu kollektiven Angstphantasien.
Bringt die Zukunft allwissende Elektronengehirne, Atomkriege, Flüge zum Mond oder die Emanzipation der Frau? Oder droht vielleicht eine kommunistische Invasion aus dem Weltall? Das Seminar geht der Verfasstheit des SF-Films der 50er Jahre nach und fragt, aufbauend auf der Analyse einzelner Filme, nach den Bildern und Strategien, mit denen der SF-Film jener Zeit operiert.
Was ist überhaupt ein Interface? Auf welche Weise adressieren Interfaces die unterschiedlichen Sinne? Welche Rolle spielen Interfaces bei der Analyse von Medien? Welche ästhetischen Qualitäten sind für die Interface-Gestaltung relevant?
Ausgehend von Lev Manovichs Begriff des »cultural interface« werden in diesem Seminar Interfaces von Seiten der Wahrnehmungstheorie und Medientheorie behandelt, aber auch Konzepte aus Design und Technik (»usability«, »joy of use«) sollen diskutiert werden. Das Seminar wird ‘traditionellere’ Medien wie Buch, Kino und Fernsehen ebenso hinsichtlich ihrer Interfaces befragen wie Computerspiele für Blinde, Software oder Multimediakunst. Ergänzend zur Theoriearbeit gilt es, verschiedene Interfaces auch gemeinsam im Seminar praktisch zu erleben und auszuprobieren.
Während in Film- und Medientheorie früher vornehmlich danach gefragt wurde, was die Medien mit ihren Adressaten anstellen, tritt in jüngerer Zeit die Frage nach der Aktivität der “User” verstärkt in den Vordergrund. Gerade digitale Medienformen wie das Internet oder Videospiele fordern uns heraus, neue Konzepte und Begriffe zu (er)finden, um die Position des Rezipienten als wahrnehmendes und handelndes Subjekt zu verstehen. Das Seminar wird anhand ausgewählter Texte der Frage nachgehen, welche Betrachter- und Handlungspositionen für audiovisuelle Medien als charakteristisch angesehen werden können.
Wie nehmen wir in unterschiedlichen Medien wahr? Worin unterscheiden sich Film, Fernsehen und neuere digitale Medienformen im Hinblick auf die Positionierung des Betrachters? Welche Spielräume für eigene Handlungsmöglichkeiten bieten sich Rezipienten innerhalb des Feldes der Audiovisionen
Wo treffen sich Körper und Medium? Bekanntlich schlug Marshall McLuhan vor, Medien als Ausweitungen des menschlichen Körpers zu verstehen. Das Radio als Erweiterung des Ohres, den Film als Ausweitung des Auges zu verstehen, evoziert das Bild einer konstitutiven Austauschbarkeit und Transgression von Körper und technischer Apparatur. Ist es das Bild einer humanen Technik oder einer technisch überformten Leiblichkeit, das auf diese Weise sichtbar wird?
Bemerkenswerterweise lässt sich im Science-Fiction Film der 1980er und 1990er Jahre eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage der Grenzüberschreitungen zwischen Körper, Technik und Medien beobachten. Das Seminar wird diesen filmischen Diskurs anhand ausgewählter Beispiele nachvollziehen. Wichtig sind hierfür insbesondere populäre Figuren wie Telepathen, Cyborgs und Mutanten, die so zahlreich den SF-Film bevölkern. Das Ziel des Seminars ist es, ausgehend von der Betrachtung filmischer Beispiele, Film- und Medientheorie miteinander in Dialog zu bringen.
Anmerkung: Der Ausdruck Couch-Potato (aus dem US-amerikanischen Slang) bezeichnet eine Person, die ihre Zeit auf einer Couch oder einem Sessel fernsehend verbringt, meist in Unterwäsche, ggf. mit einem Bier in der Hand. Normalerweise wird auch angenommen, dass Couch-Potatoes übergewichtig oder von unschöner Erscheinung sind. (Wikipedia) Im übertragenen Sinne werden mit dem Begriff auch Personen gekennzeichet, welchen es an Eigeninitiative mangelt und welche nur schwer für eine Sache zu begeistern sind.
Empfohlene Literatur zur Einführung:
Jeden Morgen vor Sonnenaufgang füllt sich das Stadion Dziesieciolecia in Warschau mit Händlern aus den verschiedensten Ländern der ehemaligen Sowjetunion. In kleinen Ständen und auf dem Boden breiten sie ihre Waren aus: Zwirn, Nadeln, Schrauben, Klebstoff, Seife, Plastikpüppchen, Kämme und Bürsten, Uhren ohne Armband und Gewürze. All das, was in den Herkunftsländern für nur ein paar Groschen zu haben ist, wird hier ausgelegt wie ein bunter Teppich. [...]
Es gibt verschiedene Arten, sich der Wirklichkeit anzunähern, mit der Realität befreundet zu sein. Auf welche Art und Weise man sich als Filmschaffender der Realität annehmen kann, konnte man 2005 auf der 29. Duisburger Filmwoche sehen. „Freunde der Realität“ war das treffende Motto des Festivals, das sich in diesem Jahr den Elefanten als Wappentier gewählt hatte – wohl nicht wegen seiner Dickhäutigkeit, sondern wegen seines mächtig-elefantösen Gedächtnisses. Der Dokumentarfilm als Gedächtnis? [...]
“Gebt mir ein Gehirn!”, überschreibt Gilles Deleuze eines seiner Kapitel über das moderne Kino in Das Zeit-Bild (Kino 2), in dem die Arbeit von Regisseuren wie Stanley Kubrick und Orson Welles behandelt wird. Radikaler noch als in einer Klassifikation von Regiestilen ist das Gehirn bei Deleuze ein Schnittpunkt von Bildern, eine Schaltzentrale in einem Bilderuniversum, in dem der eigene Körper als Zentrum von Indeterminiertheit heraussticht.
Die filmphilosophische Position, im Anschluss und in Verkehrung von Henri Bergson, sieht so die Welt als einen Himmel voller Bilder, bei dem Sehen und Denken nicht kategorial geschieden werden können, insofern beide als Formen von Bewegung erscheinen. Beschleunigung und Innehalten, Handeln und Nachdenken sind demnach Zustandsformen von unterbrochenen, weitergeleiteten, umgeleiteten oder verstärkten Bewegungen. Die Kraft, Vergangenes festzuhalten oder wiederzuerwecken, die mit menschlicher Imagination und Erinnerung/Gedächtnis verknüpft wird, findet sich auch und gerade im Kino. Die Abfolge der Bilder auf der Leinwand ist nur scheinbar linear, tatsächlich aber verschachteln und durchdringen sich fortwährend unterschiedliche Zeitebenen, Zukünfte klingen an, Augenblicke schichten sich zu Eindrücken und zu inneren Bewegungen im Film und in den Zuschauer/innen.
Gebt mir ein Gehirn! ist damit nicht nur als Aufruf zu verstehen, sondern darüber hinaus eine Bilanzierung der Rolle des Kinos als Infrastruktur eines Bilderdenkens, nicht nur als Reflexion und Bewahrung, sondern als Teil einer Denkbewegung, in die die Welt als ganzes einbezogen ist. Die Weltzugewandtheit des Kinos zeigt sich nirgends deutlicher als im Dokumentarfilm. [...]
Langeweile ist ein oft unangenehmes Gefühl, das im Gegensatz zum Zeitvertreib und der Zerstreuung gesehen wird. Dennoch ist die Erfahrung von Langeweile als einer qualitativen Zeit mit besonderen ästhetischen Potentialen ausgestattet. Dem Zusammenhang von Kino, Kapitalismus und Zeiterfahrung geht dieser Aufsatz nach, entlang der Lektüre von Texten von Walter Benjamin und Siegfried Kracauer.
Download des Aufsatzes als PDF: Aufsatz Langeweile_Kino
Der Aufsatz setzt sich mit den verschiedenen Körperbildern im SF-Film um die Jahrtausendwende auseinander. Anhand exemplarischer Beispiele aus Filmen der 80er und 90er Jahre wie Tron (1982), Terminator (1984), Die Fliege (1986), RoboCop (1987), Akira (1988) und Johnny Mnemonic (1995) bis hin zu Matrix (1999) entwirft dieser Aufsatz eine Typologie unterschiedlicher Körperkonfigurationen. Dabei wird ein Wechsel deutlich vom ehemals bestimmenden Cyborg-Körper der 80er Jahre hin zu neuen Formen von Interface-Körpern. Für diese ist nicht mehr die physische Verbesserung von körperlichen Fähigkeiten das hervorstechende Kennzeichen, sondern der Anschluss des Gehirns an elektronische Rechnernetze.
Download des Aufsatzes als PDF: Aufsatz_Koerperkonfigurationen